
So waren sie, die Mädchen der 20er Jahre, jedenfalls die mutigen
- und die anderen wären sicher gern so gewesen. So wie Betty Boop:
hübsch, keß, ein bißchen verrucht und ziemlich emanzipiert.
Die Mütter dieser Mädchen waren noch im langen Kleid zum Schwimmen
gegangen, sie aber zeigten auch auf der Straße viel Bein. Abends
vor dem Spiegel übten sie zynische Posen und gingen dann mit dem
Teddybär zu Bett.
Betty Boop wurde von dem Trickfilm-Pionier Max Fleischer ersonnen und
kam 1928 in die Kinos, ein modernes Kind ihrer Zeit, und Zeichner Max
Fleischer ließ sie immer mit der Zeit Schritt behalten. 1934 erschien
Henry Millers "Wendekreis des Krebses", ein damals in seiner
Freizügigkeit schockierendes Buch. Das Thema Sex in der Kunst war
aktuell. Gleich nutzte Fleischer die Gelegenheit, die strengen Sittlichkeitsregeln
des amerikanischen Films zu verspotten. Betty tritt in einer Revue auf
und wechselt auf der Bühne ihr Kostüm - natürlich hinter
einem Wandschirm. An dem aber hängt sie einen kleinen BH auf, während
sie gleichzeitig frech und augenzwinkernd um die Ecke sieht ...
Text: Hörzu 29/1985, S. 30: "Die First Lady des Zeichentrickfilms"
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